Im Gespräch mit

Ein kleiner Einblick in die Welt von Frau Tonis Parfum Berlin - im Gespräch mit Stefanie Hanssen

November 24, 2020

BERLIN, next floor:

Liebe Stefanie, schön dass du heute bei uns bist. Bevor wir über unser heutiges Thema sprechen wäre es schön, wenn du ein paar Worte zu dir und deinem Professionellen Hintergrund erzählst.

STEFANIE HANSSEN:

Hätte mir jemand mit Mitte Zwanzig auf einer Party gesagt, dass ich einmal eine Parfum-Manufaktur leiten würde, wäre ich vermutlich mit meinem Sekt lachend zum nächsten Gesprächspartner gewechselt. Damals steckte ich mitten in meinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und war gut damit beschäftigt, mir Statistik, Stochastik und allgemeine Volkswirtschaftslehre einzuprägen. Nach dem Studium verschlug es mich erstmal in eine völlig andere Richtung. Statt mich im klassischen BWL-Terrain zu arrangieren, hängte ich in meiner Wahlheimat Essen ein Volontariat in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Ruhrkohle AG dran. Danach arbeitete ich einige wilde Jahre als freie Journalistin. Ein paar Jahre später dann der erste Schritt Richtung Unternehmerin. Ich gründete meine erste eigene Agentur im Bereich Brand-Building und Stadtmarketing, arbeitete für internationale Hotelgruppen, machte Stadtmarketing in NRW und Hessen und beriet mit Vorliebe inhabergeführte Luxushotels.

BERLIN, next floor:

Seit 12 Jahren bist du nun schon Gründerin und Inhaberin deiner Manufaktur „Frau Tonis Parfum Berlin“, wie kam es zur Gründung und wie würdest du die Arbeitsweise und den Charakter eines „Manufaktur- Unternehmens“ beschreiben?

STEFANIE HANSSEN:

Ins Parfum-Business bin ich Jahre später spontan eingestiegen, als ich merkte, dass es meine Idealvorstellung einer Parfümerie gar nicht gibt. Ich war als Kundin auf der Suche nach etwas Besonderem. Einem Store, in dem ich nicht zum Konsum gedrängt werde und mein olfaktorisches Gedächtnis wie eine Blüte öffnen konnte. Stattdessen wurde ich bei meinen Streifzügen mit den neuesten Marketing-Volten von Chanel, Prada, Gucci vollgesprüht, als sei ich gerade auf dem Weg zur Abifeier. Selbst in Berlin – der Stadt der Künstler und Weltenbummler – wurde ich nicht fündig. Und fing zum ersten Mal an, an meiner Vision zu tüfteln: Düfte jenseits des Mainstreams zu etablieren, die mit außergewöhnlichen Aromen,Texturen und Inhaltsstoffen als Liebhaberdüfte überzeugen. Und die am besten mit einander kombinierbar wären. Unterm Strich: eine Duft-Manufaktur zu eröffnen, die so puristisch-elegant ist, dass sie durch ihre Eleganz besticht. In der nichts vom Wesentlichem ablenkt –hochwertigen Düften.

Inzwischen schreibe ich Jahr zwölf als CEO von Frau Tonis und bezeichne mich bewusst als Unternehmerin. Immerhin unternehme ich ja auch jeden Tag neue Abenteuer mit meinem Team. Ich kümmere mich um die Konzeption neuer Düfte, um die Finanzen, um Kampagnen-Fotoshootings und die Menschen, die hier jeden Tag mit mir dafür sorgen, dass mein Traum weiterlebt und sich progressiv und nachhaltig Richtung Zukunft entwickelt. Wichtig ist mir, dass meine Angestellten eine eigene Persönlichkeit besitzen. Wir hatten bisher Psychologiestudenten, Dolmetscher, Künstler, Designer und Patissiers vor Ort, die jeder und jede für sich ganz neue, wertvolle Eindrücke ins Unternehmen mitbrachten.

BERLIN, next floor:

Sehr inspirierend!
Wie kamst du dazu Düfte zu kreieren und woher nimmst du deine Inspiration für neue Düfte?

STEFANIE HANSSEN:

Parfüm ist eigentlich ein Kulturgut, aber den Markt bestimmt heute Konsensware. Ich selber jedoch liebe Parfums, die wild und laut sind. Oder die den Mut zu etwas Animalischem haben. Die Geschichten erzählen, geheimnisvoll sind. In meinen eigenen Duftkreationen verarbeite ich häufig Eindrücke, die ich auf Reisen gesammelt habe. Mein Duft „No. 30 Thé Arabique“ ist die Erinnerung an eine Reise auf dem Nil, an traumverlorene Sonnenuntergänge in Luxor. Schwarzer Tee, Quitten, Gurjun Balsam, Whisky und ein Hauch Vanille prägten diese Zeit. Bei jedem Atemzug transportiert mich dieser Duft gedanklich an die Schwelle zum ersten Nil-Katarakt.

Mich inspirieren grundsätzlich fremde Sprachen und Ethnien, extravagante Mode, andere Geschmäcker. Vor vier Jahren kamen mir bei einem Trip durch Berlin Mitte in der öffentlichen KANTINE auf dem Campus der David Chipperfield Architects Berlin die besten Ideen zu einen Statement-Duft, der mit Thymian, Wildleder, Himbeeren und Röstaromen spielt. Ich war damals verzweifelt wegen des Ausgangs der Wahlen in den USA und hörte, wie sich die Chipperfield-Leute an den Tischen um mich herum gegenseitig Mut machten. Das inspirierte mich zu unserem Duft „No. 33 Vild“. Ich widmete ihn „modernen Amazonen“ und „couragierten Rebellen“.

BERLIN, next floor:

Was macht den perfekten Duft für dich aus und welchen würdest du uns im Winter empfehlen?

STEFANIE HANSSEN:

Wir alle wollen uns wohlfühlen. Glücklich sein, und mit Leichtigkeit durchs Leben gehen. Doch selbst den Widerstandskräftigsten unter uns wird in Zeiten wie diesen bewusst, wie fragil das menschliche Dasein ist. Wie schnell äußere Umstände dazu beitragen, Panik, Angstoder innere Unruhe zu verspüren. Düfte können Positivität zurückbringen – wie eine gute Freundin, die Trost und Hoffnung spendet.
Kostbares Oud kann beispielsweise so viel mehr sein, als nur eine weitere Geschichte aus „Tausendundeiner Nacht“. Das Harz des Adlerholzbaumes haben wir vom Mythos der absoluten Verführung befreit, es schlank und klar gemacht. „No. 19 Oud Weiss“ ist mit seinen Noten von Amber, Sandelholz, Bergamotte, Tabak und Weihrauch ein sakraler Trostspender und dabei für meinen Geschmack von einer solchen Schönheit, dass es nur ein Wort gibt, das diesem Duft gerecht werden kann: Liebe.

BERLIN, next floor:

Nach 12 Jahren „Frau Tonis Parfum Berlin“, gibt es etwas, dass du heute anders machen würdest?

STEFANIE HANSSEN:

Als 2009 meine Pläne, eine Parfümerie zu gründen, konkreter wurde, traf ich mich zwecks Anschubfinanzierung mit älteren, distinguierten Berliner Bänkern. Die waren von meinen Ideen eher weniger begeistert und behaupteten, dass der Markt ohnehin übersättigt sei. Außerdem war ich Autodidaktin. Das gefiel den Herren noch weniger.

Wie sollte ich als Frau es schon schaffen, etwas Nie Dagewesenes von der Pike an aufzuziehen? Liebhaberdüfte zu entwickeln, die sich an eine bis dato unbekannte Zielgruppe wenden? Ich aber wollte unbedingt lieber ein Experiment wagen und scheitern, als mich brav hintenanzustellen und auf ein Wunder zu warten.
Bis heute bereue ich es, dass ich deren Absagen einfach sang- und klanglos hingenommen habe. Wie gut wäre es für mein Selbstbewusstsein gewesen, wenn ich den Herren entgegnet hätte „Ich werde Ihnen beweisen, dass ich das schaffe!“. Der Erfolg hat mir recht gegeben.


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